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Werdenfelser Weg - Verfahrenspfleger ausgebildet

Werdenfelser Weg

Ausbildung nach dem "Werdenfelser Weg"

Zum Verfahrenspfleger für gerichtliche Genehmigungsverfahren von Fixierungen haben sich Pflegefachleute des Caritas-Seniorenheims St. Nikolaus im Bildungshaus Schloss Hirschberg qualifiziert. Dabei setzten sie sich mit dem "Werdenfelser Weg" auseinander: Dieser verfolgt das Ziel, freiheitsentziehende Maßnahmen in stationären Gesundheitseinrichtungen auf ein unumgängliches Minimum zu reduzieren. Referenten waren die Initiatoren des "Werdenfelser Weges", Dr. Sebastian Kirsch und Josef Wassermann, beide Richter am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen.

Fixierungen von Bewohnern in Pflegeheimen, zum Beispiel durch das Hochziehen von Bettgittern, wurden früher als Maßnahmen der Sorge und Sicherheit verstanden, um Verletzungen durch Stürze zu vermeiden. In den letzten Jahren fand hierzu ein Umdenken statt. Freiheit und Selbstbestimmung erhalten nun vielfach den Vorzug vor diesem generellen Schutzgedanken. Heute ist es sowohl aus pflegerischer als auch aus rechtlicher Sicht das Ziel, freiheitsentziehende Maßnahmen nur noch bei erheblicher Gefahr der Selbstverletzung einzusetzen.

Bei der Schulung eigneten sich die Pflegefachleute ein fachlich fundiertes Wissen über Alternativen und Vermeidungsstrategien zu Freiheitsentziehenden Maßnahmen an. Sie verfügen dazu jetzt über Kenntnisse zu juristisch relevanten Kriterien sowie über Kompetenzen in der Gesprächsführung. Wenn sie vom Gericht den Auftrag bekommen, diskutieren sie nun individuell Fixierungsfälle und gehen über den Zeitraum mehrerer Wochen Alternativüberlegungen gemeinsam mit der betroffenen Personen und den Angehörigen sowie Betreuern durch. Beim eigenen Arbeitgeber dürfen sie dies zwar nicht, jedoch kommt ihr Wissen auch dem Seniorenheim zugute. In vielen Fällen kann durch die Beratung unserer Verfahrenspfleger, sowohl der Pflegekräfte als auch der Angehörigen, ein Antrag auf freiheitsentziehende Maßnahmen beim Amtsgericht vermieden werden kann

Um die Freiheit der Bewohner zu schützen, bedürfe es oft individueller, sehr findiger Lösungen, die im Dialog aller Beteiligten erarbeitet werden müssen. Mitunter kann ein Sturz dadurch vermieden werden, dass die Matratze oder Liege eines Bewohners auf dem Boden Platz findet. Außerdem gewinnen technische Hilfsmittel wie Sensormatten, Bewegungsmelder oder Ortungssysteme zunehmend an Bedeutung und gehören zur Grundausstattung unseres Seniorenheimes.

Denn der Schlüssel zur Vermeidung von Fixierungen liegt nicht in der Hand der Praktiker des gerichtlichen Prüfungsverfahrens, sondern im Engagement und der Fachlichkeit innerhalb der Pflegeberufe. Sie distanzieren sich von Anwendungen, die aus Gründen der Arbeitserleichterung oder haftungsrechtlichen Ängsten motiviert sind.